28. Februar 2019

Vom Sterben und Leben

Der Winter – die gefühlt längste Jahreszeit in unseren Breitengraden, geht bald zu Ende. Erst noch erstarrt vor Kälte und scheinbar tot, erwacht die ganze Pracht der Natur im Frühling allmählich zu neuem Leben! A propos sterben und leben, das erinnert mich an einen Rhema-Moment in meinem Leben. 

Viele Jahre ist es her, es war einer dieser legendären Reithallen-Gottesdienste in Winterthur. Auch ich hatte irgendwo im Gedränge noch einen unbequemen Holzstuhl ergattert und wartete gespannt, bis es losging. In der Reithalle herrschte immer so ein Stimmungsmix aus Stall von Bethlehem und Bergpredigt, und irgendwie hatte es was von Erweckung. Nach einer gewohnt leidenschaftlichen Worship-Session mit Lilo Keller und ihren Leviten hatte sich nun Geri Keller ans Rednerpult begeben. Alles hing an seinen Lippen, wenn er da so stand mit seinem schlohweissen Haar und der rechten Hand in der Hosentasche, und predigte. Aber eigentlich war es keine Predigt, er erklärte einfach Vers für Vers die Bibel, wie immer in urchigstem Deutsch. Über den Römerbrief, das sechste Kapitel lehrte Geri und erklärte die Bedeutung des Taufprinzips für unser geistliches Leben. Dass wir – sinngemäss – in den verschiedenen Bereichen unseres Lebens die übernatürliche Dimension nur in dem Mass erleben werden, wie wir bereit sind, darin vorher mit Jesus zu sterben. Ohne Sterben, kein Leben, ganz einfach. Und wenn Geri dann immer wieder sein unverkennbares «Verschtaasch?» knurrte, war ich ziemlich froh, dass er nicht explizit mich fragte; ich war nämlich noch schwer am Verdauen.

Erst im Verlauf der Zeit habe ich dann verstanden, worum es eigentlich geht: Dass wir Jesus nur ähnlicher werden können, wenn wir bereit sind, Altes loszulassen, um dann Neues zu empfangen. Einen SOZO-Lebensstil könnte man das nennen, im Gleichklang mit dem Heiligen Geist: Er zeigt uns nicht nur, wie Jesus ist, er will auch den Weg mit uns gehen. Als Impulsgeber und Richtungsweiser, Sterbebegleiter und Geburtshelfer in all diesen Prozessen der Veränderung. Lügen werden ersetzt durch Wahrheiten, Angst ausgetrieben durch Liebe, Gleichgültigkeit weicht der Vision, Autorität folgt auf Ohnmacht. Sind wir bereit, dem Heiligen Geist Tür und Tor in unserem Leben zu öffnen?

Erweckung kommt dann, wenn immer mehr Menschen sich mitnehmen lassen, in eine Kultur des Sterbens und Lebens mit Jesus. Einen geistlichen Frühling könnte man das auch nennen. Herrlich, wenn draussen in der Natur alles zu blühen beginnt. Aber noch viel schöner, wenn Herzen mit neuem Leben und Leidenschaft für Jesus erfüllt werden!

«Verschtaasch?»

Marco Büchli

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