29. Mai 2020

Deine Zeit in deiner Hand

Zeit ist unsere kostbarste Ressource. Und jeder von uns hat Zeit. Den meisten von uns wurde sogar jede Menge Zeit geschenkt durch die Umstände rund um COVID-19. Doch wissen wir, was wir damit anstellen sollen? Und gehen wir behutsam damit um? Oder verprassen wir sie, als ob sie uns in unerschöpflichen Mengen gegeben wäre?

Ressource
Zeit ist eine Ressource wie Geld oder Talente. Der einzige Unterschied zwischen Geld und allen anderen Ressourcen die wir besitzen können ist, dass wenn wir Zeit «ausgeben», wir sie nie wieder zurück bekommen. Einmal ausgegeben ist die Zeit für immer passé.

Geld kann man verlieren und dann zurück erarbeiten. Oder man gibt Geld aus, um damit mehr zu verdienen. Bei Zeit geht das nicht. Wenn wir Zeit verbrauchen, ist sie für immer weg. Darum ist Zeit so viel kostbarer als alle anderen Ressourcen die wir haben.

Zeit ist die einzige Ressource im Königreich von Gott, die uns nicht unbeschränkt zur Verfügung steht. Unsere Zeit auf Erden ist beschränkt. Finanzen stehen unbeschränkt zur Verfügung – Gott geht das Geld nie aus. Stell dir vor: im Himmel sind die Strassen aus Gold. Gott kann uns unbegrenzt versorgen. Aber unsere Zeit ist begrenzt. Unsere Zeit auf Erden wird ablaufen:

«Lehre uns zu bedenken, wie wenig Lebenstage uns bleiben, damit wir ein Herz voll Weisheit erlangen!» Psalm 90,12

Kauft die Zeit aus!
Damit verbunden macht Paulus unseren Auftrag klar: wir sollen die Zeit auskaufen.

«Seht nun darauf, wie ihr mit Sorgfalt wandelt, nicht als Unweise, sondern als Weise; und kauft die Zeit aus, denn die Tage sind böse. Darum seid nicht unverständig, sondern seid verständig, was der Wille des Herrn ist!»
Epheser 5,15–17

Die Zeit, die uns gegeben wurde, soll «ausgekauft» werden. Die Wurzel dieses Wortes stammt vom Begriff des Marktes oder Marktplatzes – es geht also darum, damit zu handeln. Daraus entnehmen wir, dass wir unsere Zeit investieren und weise damit umgehen sollen. Wir sollen sie weise einsetzen um etwas gutes daraus zu machen.

Unsere Zeit ist kostbar. Oder man müsste es so sagen: Unsere Zeit kann kostbar sein. Je nach dem, wie wir sie investieren. Wenn wir nichts damit tun, haben wir sie nicht ausgekauft – nichts kostbares ist daraus entstanden. Unsere Zeit ist wie ein Rohdiamant. Der ist an und für sich noch nicht sehr kostbar. Wenn er aber sorgfältig geschliffen wird, wird er schier unbezahlbar. So auch unsere Zeit: Gut investiert ist sie enorm kostbar.

Die NGÜ2011 Übersetzung beschreibt es gut:
«Macht den bestmöglichen Gebrauch von eurer Zeit, gerade weil wir in einer schlimmen Zeit leben.»  Epheser 5,16

Wie auskaufen?
In Psalm 16 finden wir einen der wertvollsten Offenbarungen über unsere Leben. Psalm 16 hilft uns zu verstehen, wie wir unsere Zeit investieren können, ohne es jemals zu bereuen. Wie schade wäre es, sich auf dem Sterbebett wiederzufinden, nur um zu entdecken, dass wir unsere Zeit falsch investiert haben? Was für eine Tragödie das wäre.

Wir schauen uns den Vers 11 aus dem Psalm 16 in zwei verschiedenen Übersetzungen an, um den ganzen Umfang zu verstehen:

«Du zeigst mir den Weg zum Leben. Dort, wo du bist, gibt es Freude in Fülle; ‹ungetrübtes› Glück hält deine Hand ewig bereit.» Psalm 16,11 

«Du wirst mir den Weg des Lebens zeigen; vor deinem Angesicht sind Freuden in Fülle, liebliches Wesen zu deiner Rechten ewiglich!» Psalm 16,11

Meine Zusammenfassung in meinen Worten daraus ist so:
«Der Weg des Lebens finden wir vor Gottes Angesicht. An diesem Ort finden wir auch Freuden in Fülle. Ewiges Glück finden wir in Gottes Hand.»

Spannend finde ich hier «ewiges Glück». Wir finden nicht nur vergängliches Glück – sondern ewiges. Dies wiederum bedeutet, dass wir es nie bereuen werden. Was wir nie bereuen werden ist, wenn wir unsere Zeit darin investieren, ihn besser kennen zu lernen und sein Angesicht, seine Gegenart zu suchen. Da finden wir ewiges, unvergängliches Glück.

Die Frau mit dem Nardenöl
In Markus 14 lesen wir eine äusserst interessante Geschichte:

«Und als er (Jesus) in Bethanien im Haus Simons des Aussätzigen war und zu Tisch saß, da kam eine Frau mit einem Alabasterfläschchen voll Salböl, echter, kostbarer Narde; und sie zerbrach das Alabasterfläschchen und goss es aus auf sein Haupt.» Markus 14,3

Einmal ausgegossen, war das Nardenöl für immer unbrauchbar. Der Wert von diesem Öl war ein voller Jahreslohn der damaligen Zeit – vermutlich war es die Altersvorsorge dieser Frau. Stell dir vor… innert zwei Sekunden goss sie ihr ganzes Vermögen aus. Auch hat sie absolut nichts dafür erhalten. Es war einfach für immer weg! 

Viele nahmen das als absolute Verschwendung wahr. Hätte man doch dieses kostbare Öl stattdessen wesentlich besser investieren können, als es „einfach“ über Jesus zu schütten! Doch was sagte Jesus zu dieser Frau?

«Jesus aber sprach: Lasst sie! Warum bekümmert ihr sie? Sie hat ein gutes Werk an mir getan.» Markus 14,6

Ziehen wir die Parallelen zu unserer Zeit:
Einmal ausgegeben ist sie für immer weg – genau wie das Öl. 
Was in den Augen derer, die Jesus nicht lieben, wie Verschwendung aussieht, wird sich am Ende als ewiges Glück herausstellen.
Sich selbst in Jesus zu verlieren, ist nie Verschwendung.

Ihn suchen
Jene die ihn mit aufrichtigem Herzen suchen, werden ihn finden. Ihn zu finden wiederum, ist das grösste Glück unseres Lebens.

Ihn zu suchen kostet uns Zeit – je nach dem sogar viel Zeit. Für manche mag es verschwendete Zeit sein. Wir suchen ihn, ohne einen Hintergedanken – also nicht, um etwas von ihm zu bekommen. Wir suchen ihn, wegen Ihm. Weil wir ihn lieben und uns nach ihm sehnen, nicht weil wir etwas von ihm wollen.

Jedoch schöpfen wir daraus quasi als Nebenprodukt einen ewigen Lohn: Glück. Niemals werden wir es bereuen das Angesicht Gottes mit aufrichtigem Herzen gesucht zu haben. Nicht einmal dann, wenn es uns alles gekostet hat und wir nichts zurückbekommen haben ausser Ihn selbst. Denn Er ist es wert. Ja, Er ist alles wert.

Die Falle der Leistung
Der religiöse Geist kann uns hier in eine Falle locken. Unsere Zeit gut zu investieren ist keine Leistungs-Sache. Wie bei der Frau mit dem Nardenöl soll es – ja muss es – von Herzen kommen. Es soll weder motiviert sein von dem Gedanken, dass wir müssen, noch von dem Gedanken zu Ihm zu kommen, um etwas zu erhalten.

In Mundart pflegen wir eine Redewendung: «Es nimmt mir den Ärmel in etwas hinein.» Das trifft es sehr gut. Die Zeit mit Gott muss uns «den Ärmel rein nehmen». Sie muss uns faszinieren und nicht mehr loslassen. Dann ist es echt und ohne Haken.

Wenn wir über Leistung versuchen eine gewisse Zeit pro Tag in Gott zu investieren sind wir A, nicht auf der Beziehungsebene und B, wird unser Herz bald kälter und härter sein als zuvor. Leistung und Religion werden uns nämlich immer an den Ort bringen, wo unser Herz hart und kalt gegenüber Gott wird. 

Ich empfehle dir daher, jeden Tag soviel Zeit vor Jesus auszugiessen, wie es deinen Geist erfrischt. Auch wenn es einfach 30 Sekunden sind. Es soll nicht anstrengend oder belastend sein. Da wo sein Geist ist, da ist Freiheit und Leichtigkeit. Darauf baust du auf. Irgend wann wirst du merken, wie du dich nach diesen Zeiten alleine mit Gott sehnst – wie du sie vermisst, wenn du sie nicht hast.

Wenn das geschieht weisst du, dass du deine Zeit als Opfer hingegeben hast und das Feuer Gottes darauf gefallen ist. Genau dieses Feuer Gottes können wir nicht selbst entfachen – alles was wir tun können, ist uns ihm hinzugeben. Mike Bickle sagt es gut: «Wir brauchen Gott, um Gott zu lieben.»

Zeit…
Jeder hat sie. Jeder investiert sie. Doch wer wird am Ende seiner Zeit sagen können, dass er ewiges Glück erlangt hat? Wer wird gesättigt sterben und wer wird sein Leben vor dem Würdigen ausgegossen haben wie ein Fläschchen Öl? Eines weiss ich: Jener der dies getan hat, wird es nie bereuen. 

Silvan Carabin

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